GARAGE WINERY

 

Was tun, wenn man Wein anbauen will, aber weder ein Schloss hat noch jahrhundertelange Tradition? Wenn man Frau ist, aber keinen alteingesessenen Winzer kennt inklusive Berg, die man heiraten könnte? Wenn es einen ohnehin nervt, dieses elitäre, piekfeine, verwissenschaftlichte, machohafte, snobistische Imponiergehabe der Branche?

Für Simone Böhm war die Frage nicht einfach damals, aber sie fand eine Antwort. Die 35-Jährige, die in Meersburg Weinküferin lernte, an der Fachhochschule in Geisenheim Weinbauingenieurin wurde und außerdem Sommelière ist, ging neue Wege: Sie schloss sich in Oestrich-Winkel mit ihrem Lebensgefährten Anthony Hammond zusammen, baute eine alte, unterkellerte, 150 Quadratmeter große Garage aus, stellte Fässer hinein, errichtete Lager- und Kühlräume und präsentiert dort heute Weine abseits des Mainstreams; mit einem Inhalt, der sogar den Weingott Stuart Pigott ins Schwärmen bringt: „Ein wunderbar saftiger und sanftwürziger Wein, der alle stilistischen Vorgaben des Rheingaus sprengt“, schwärmt der Brite in seinem „Kleinen, genialen Weinführer“ über den trockenen Auxerrois der „Garage Winery“. Den „Wild Thing“, eine Riesling-Spätlese, der „tatsächlich etwas wild“ daherkomme, findet er noch „viel aufregender“.

„Der 365. Winzer im Rheingau, der das gleiche macht, das interessiert keinen“, sagt Simone Böhm. Verführerisch und cool, leicht und stylish, spritzig, so soll ihr Wein sein. Und verführerisch – oder auch nicht – ist beim Kauf ja zunächst immer das Etikett: Bei der „Garage Winery“ heult ein Motor auf dem Secco namens „Kickstarter“, da krächzt ein grüner Papagei auf dem Cuvée namens Paradise, und auf dem „Sugar Babe“ räkelt sich eine knapp verhüllte Tänzerin im Outfit der 20er-Jahre, natürlich mit Träublein in der Hand. Hammond lächelt unter seinem Pferdeschwanz. Er hat das Bild einem Künstler auf St. Pauli abgekauft: „Das versteht schon beim Draufschaun jeder – Spätlese mit Restsüße.“

Hammond, halb Amerikaner, halb Münchner, kam als Quereinsteiger zum Wein. Vor seiner Winzerlehre arbeitete er bei Eckart Witzigmann in der „Aubergine“, als Barkeeper und in einer Weinhandlung in San Francisco: „Als Winzer bist du Landwirt, Lebensmitteltechniker und Marketingmanager in einem“, sagt er. Optik ist ihm wichtig. Sie lockt ein junges, experimentierfreudiges Publikum an in einer Gegend, die von Wein, Natur und Mineralien verwöhnt und eigentlich gesättigt ist.

„Garagenwinzer sind oft Individualisten, die ihre Leidenschaft zum Beruf gemacht haben“, sagt Ernst Büscher vom Deutschen Weininstitut in Mainz. Wenn sie dann noch vier Kinder haben wie Simone Böhm – pünktlich zur Lese im Oktober 2010 erblickte Benedict das Licht –, sollten sie umso leidenschaftlicher sein.

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Paten für die Rebstöcke

Das Rheingau zwischen Mainz und Bingen mit seinen 3000 Hektar Hanglage gilt als El Dorado des deutschen Rieslings. Fünf Hektar bewirtschaften Simone Böhm und Anthony Hammond zwischen den Treppen über dem Rhein, im Frühjahr werden 1000 Rebstöcke im Rüdesheimer Berg Kaisersteinfels hinzukommen. Es ist die letzte, nicht flurbereinigte Lage im Rüdesheimer Berg, wo noch handgesetzte Trockenmauern stehen, auf denen sich Smaragdeidechsen sonnen.

Weinbegeisterte können hier eine Patenschaft für Rebstöcke abschließen, um dieses Projekt zu unterstützen und daran teil zu haben. Sie werden im Frühjahr zum Pflanzen und im Herbst zur Traubenlese eingeladen und leisten einen Beitrag zum Erhalt dieser Landschaft.

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